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Serie KollegentippsGynäkologie in der Hausarztpraxis

Nachdem die Gynäkologin der Kleinstadt ihre Praxis geschlossen hatte, begann sich Theresa Buuck verstärkt mit Frauengesundheit zu beschäftigen. Inwieweit können Hausärztinnen und Hausärzte bei gynäkologischen Fragestellungen weiterhelfen?

Wechseljahresbeschwerden kommen auch in der hausärztlichen Praxis oft zur Sprache.

Theresa Buucks Auseinandersetzung mit gynäkologischen Themen begann aus der Not heraus: In 2022 nahm sie eine Stelle in einer Praxis im ländlichen Mecklenburg-Vorpommern an. Kurz darauf gab die einzige Gynäkologin der Kleinstadt von heute auf morgen ihre Praxis auf.

“Für die Patientinnen war es zum Teil sehr beschwerlich, zu den weiter entfernten Praxen zu gelangen, die überdies auch schon ausgelastet waren”, berichtet Buuck. “Dadurch kamen plötzlich sehr viele Frauen mit gynäkologischen Beschwerden zu mir.” So begann sie, sich in den Fachbereich einzuarbeiten, Artikel zu lesen und Fortbildungen zu besuchen.

Zuhören und ernst nehmen

Häufige Behandlungsanlässe waren und sind Wechseljahresbeschwerden, Schmerzen und Entzündungen der Brust oder Fragen zur Verhütung, gelegentlich auch Endometriose oder Beschwerden im Zusammenhang mit einem polyendokrinen metabolischen Ovarialsyndrom (PMOS).

Bei der Betreuung dieser Patientinnen merkte Buuck rasch, dass es ihnen meist gar nicht so sehr darum ging, sofort eine Lösung präsentiert zu bekommen: “Wir Hausärztinnen und Hausärzte haben manchmal das Gefühl, wir müssten alles wissen und alle Fragen beantworten können. Ich habe aber festgestellt, dass das für die Menschen, die zu uns kommen, oft gar nicht so wichtig ist.

Die meisten Frauen sind schon glücklich, wenn ich einfach als Gesprächspartnerin für sie da bin, zuhöre, ihre Beschwerden ernst nehme und vielleicht auch etwas besser als sie selbst einordnen kann, was gerade los ist. Das kann ich auch tun, wenn ich Hausärztin bin und kein Gyn-Freak.” Buuck rät auch dazu, mit Wissenslücken offen umzugehen.

“Zu Frauen mit Wechseljahresbeschwerden habe ich am Anfang, als ich mich noch wenig auskannte, oft gesagt: ‚Danke, dass Sie so offen waren und das Thema mit mir besprochen haben. Ich schlage vor, Sie geben mir ein oder zwei Wochen, bevor wir uns wieder treffen. Und in der Zeit gucke ich nach, was für konkrete Maßnahmen es gibt, um Sie zu unterstützen.‘ Die Patientinnen nehmen es meist sehr positiv auf, wenn man ihr Problem nicht abtut und einfach sagt, da sollen sich die Gynäkologen drum kümmern.”

Frauengesundheit im Fokus

Mittlerweile hat sich Buuck intensiv weitergebildet und viel Erfahrung mit gynäkologischen Themen gesammelt; ihr Wissen gibt sie in Vorträgen auch an Kolleginnen und Kollegen weiter. Sie berichtet, dass es in anderen Ländern – etwa Großbritannien – ganz normal sei, dass Hausärztinnen und Hausärzte gynäkologische Untersuchungen durchführen.

“Bei uns gibt es natürlich diagnostische Begrenzungen: Ich habe keinen Gyn-Stuhl und kann keinen transvaginalen Ultraschall machen. Aber wenn ich schon eine Ahnung davon habe, was das Problem sein könnte, kann ich viel gezielter überweisen – und die Spezialisten freuen sich, wenn wir hilfreiche Hinweise auf den Überweisungsschein schreiben.”

Buuck rät grundsätzlich dazu, die Augen offenzuhalten und gynäkologische Beschwerdebilder auch in der Hausarztpraxis mehr in den Fokus zu nehmen. Zum Beispiel kämen Frauen oft mit unspezifischen Symptomen wie Müdigkeit und Gelenksbeschwerden, die sie selbst gar nicht einordnen können.

“Da hilft es schon sehr, wenn ich ihnen erkläre, dass ihre Beschwerden mit der Menopause zusammenhängen könnten.” Außerdem gelte es bei jüngeren Frauen und Mädchen, die während ihrer Regel starke Schmerzen haben, an eine Endometriose zu denken.

Über Sexualität sprechen

Gerade bei diesen Fragestellungen sei es wichtig, eine gute Gesprächsatmosphäre zu schaffen. Buuck ermutigt auch dazu, das Thema Sexualität öfter anzusprechen. “Zum Beispiel frage ich bei Gesundheitsuntersuchungen immer: ‚Sind Sie mit Ihrer Sexualität zufrieden?‘ Das war für mich am Anfang komisch, weil ich selbst unsicher war, wie die Frage ankommt.

Aber je häufiger ich das frage, desto mehr positives Feedback bekomme ich. Die Leute sind zwar anfänglich oft ein wenig verunsichert, aber meist dankbar, dass sie über das Thema sprechen können – oder sie nehmen zumindest zur Kenntnis, dass sie mit mir darüber sprechen können, und kommen irgendwann darauf zurück.”

Verhütung ist ebenfalls ein häufiges Beratungsthema: “Wir wissen aus Studien, dass Jugendliche beim ersten Mal recht oft kein Kondom benutzen. Bei uns gibt es nur einen Drogeriemarkt und ich kann mir schon vorstellen, dass Jugendliche da nicht gerne reingehen und Kondome kaufen.”

Deswegen steht im Patienten-WC der Praxis auch ein Glas mit kostenfreien Kondomen, gemeinsam mit Infomaterial und einem Kondometer. “Das haben unsere Patientinnen und Patienten recht gut angenommen und die Nachfrage ist erstaunlich groß”, berichtet Buuck.

Dazulernen

Und wie gelingt es am besten, sich gynäkologisches Wissen anzueignen? “Natürlich macht es Sinn, Fortbildungen zu besuchen. Gerade zum Thema Peri- und Postmenopause gibt es aber auch viele gute Artikel.

Demnächst erscheint dazu außerdem eine aktualisierte S3-Leitlinie, an der auch die DEGAM beteiligt war.” Sie selbst habe auch von Podcasts wie “Gyncast” profitiert – “wobei man fachfremde Inhalte sicher etwas differenzierter betrachten muss”. Hilfreich sei selbstverständlich auch der Austausch mit Kolleginnen und Kollegen in Foren und Qualitätszirkeln.

Infos zur Abrechnung

Die Abrechnungsmöglichkeiten bei gynäkologischen Problemen in der Hausarztpraxis dürften im EBM in der Regel beratender Natur sein bzw. Positionen aus der sogenannten “sprechenden Medizin” darstellen.

Allerdings findet sich in der Morbiditätsstatistik der KV Nordrhein unter den 100 häufigsten Diagnosen für das 3. Quartal 2025 bei Allgemeinmedizinern keine einzige gynäkologische Diagnose, was evtl. auch daran liegt, dass diese Diagnosen von Hausärztinnen und Hausärzten vergessen oder für ihre Abrechnung als nicht relevant eingestuft werden.

Gynäkologische Probleme bei Hausärztinnen und Hausärzten sind wohl auch eher in Regionen mit geringer Facharztdichte relevant.

Klimakterium

An erster Stelle steht dabei sicherlich bei den – mengenmäßig vermutlich häufigsten – Wechseljahresbeschwerden (ICD: N95.-) neben der Versichertenpauschale die GOP 03230. Manchmal kann aber auch eine psychosomatische Komponente zumindest abklärungsbedürftig sein, die dann mit der GOP 35100 abgerechnet wird.

Bei dieser Fragestellung können jedoch auch andere diagnostische Positionen abgerechnet werden; beispielsweise bei Rhythmusstörungen die GOP 03241 und 03322, bei Blutdruckschwankungen die GOP 03324, aber auch diverse Laboranalysen (Schilddrüse, Blutbild u.a.). Sonografien von Schilddrüse (GOP 33012) und Abdomen (GOP 33042) dürften eher als Ausschlussdiagnostik durchgeführt werden.

Verhütung

Ein zweiter Themenkreis, der evtl. häufiger auch in der Hausarztpraxis auftritt, dürfte das Thema Verhütung sein. Hier führt das “Pillenrezept” (ICD: Z30.4) häufig zum Ansatz der GOP 01820.

Eine Beratung (ICD: Z30.0) ist auch hier lediglich im Rahmen der GOP 03000 oder aber – bei mehr als 10 Minuten – der GOP 03230 abrechenbar, da die originäre “Beratung im Rahmen der Empfängnisregelung”, die GOP 01821, für Hausärztinnen und Hausärzte nicht abrechenbar ist.

Quellen:

  1. https://www.kvno.de/fileadmin/shared/pdf/online/verordnungen/morbiditaetsstatistik/100icd_25-3.pdf
  2. https://www.kbv.de/html/ebm.php (EBM)
  3. https://www.ebm-goä.de (Der Kommentar zu EBM und GOÄ; begründet von Wezel/Liebold)
  4. https://www.icd-code.de
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