Schilddrüse in der Schwangerschaft
Zur Diagnose von Schilddrüsenerkrankungen in der Schwangerschaft sollten trimester- und herstellerspezifische Referenzbereiche für TSH und fT4 verwendet werden, da sich die Schilddrüsenwerte durch die Schwangerschaft physiologisch verändern.
Frauen, die eine Schwangerschaft planen, sollten auf eine tägliche Jodzufuhr von insgesamt 200 bis 250 µg achten, vorzugsweise durch jodreiche Lebensmittel oder Supplemente mit 150 µg Kaliumjodid. Eine gezielte Testung auf eine Schilddrüsenfunktionsstörung wird nur für Risikogruppen empfohlen, z.B. bei Autoimmunerkrankungen oder vorausgegangenen Spätaborten.
Vor einer Schwangerschaft sollte bei einer manifesten Hypothyreose oder schwerer subklinischer Hypothyreose Levothyroxin so eingestellt werden, dass der TSH-Wert unter 2,5 mU/l liegt. Frauen mit Hypothyreose, die schwanger werden, sollten sofort nach einem positiven Schwangerschaftstest ihre Levothyroxin-Dosis um ca. 25-30 Prozent erhöhen.
Während der Schwangerschaft ist eine Kontrolle von TSH und fT4 alle 4–6 Wochen bis zur 20. Woche und erneut in der 28. Woche erforderlich, wobei ein TSH von 2,5 mU/l anzustreben sei. (Anm. d. Red.: Die DEGAM-S2k-Leitlinie rät zu Kontrollen mindestens einmal pro Trimenon sowie einem oberen TSH-Wert von 4,0 mU/l).
Eine Metaanalyse ergab, dass eine präkonzeptionelle Levothyroxin-Gabe bei subklinischer Hypothyreose weder die Fertilität verbessert noch die Häufigkeit von Fehlgeburten verringert.
Bei Hyperthyreose in der Schwangerschaft, sollte möglichst früh eine stabile Euthyreose erreicht werden, wobei im 1. Trimenon Propylthiouracil gegenüber Carbimazol/Thiamazol bevorzugt wird. Zielwerte unter Therapie sind ein fT4 im oberen Normbereich und ein TSH-Wert im Normbereich (Martin Fassnacht, Würzburg).
Unterschiedliche Qualität von DiGA
Fast die Hälfte aller digitalen Gesundheitsanwendungen in der Medizin wurden für psychische Erkrankungen entwickelt, nämlich 30 von insgesamt 74 Anwendungen. Darunter finden sich DiGA zur Anwendung bei ADHS, Angsterkrankungen, Depression, chronische Schmerzen, Insomnie, Borderline-Störung, Essstörungen, Alkoholabhängigkeit, Nikotinabhängigkeit, leichte kognitive Störung und Vaginismus.
Die von den Anbietern für die Aufnahme in das DiGA vorgelegten Studien unterscheiden sich in ihrer wissenschaftlichen Qualität erheblich. Dabei sind die Anwendungen, die Studien von hoher Qualität vorlegen, immer noch in der Minderheit. Dies sollte bei der Auswahl berücksichtigt werden (Dieter F. Braus, Eltville).
Screening auf primären Hyperaldosteronismus bei allen Hypertonikern
Der primäre Hyperaldosteronismus ist die häufigste sekundäre Hypertonieform. Sie betrifft 8–12 Prozent aller Hypertoniker.
Eine neue Leitlinie empfiehlt ein generelles Screening bei allen Hypertonikern unabhängig von der Therapie. Dabei wird zuerst Aldosteron und Renin und daraus der Aldosteron-Renin-Quotient (ARR) bestimmt. Die begleitende Bestimmung des Kaliums ist sinnvoll für die korrekte Interpretation des Aldosteronwertes; denn eine Hypokaliämie führt zu falsch niedrigen Aldosteronwerten.
Ein erhöhter ARR weist auf eine inadäquate Aldosteronproduktion, also einen Hyperaldosteronismus hin. Es muss allerdings beachtet werden, dass die Ergebnisse des Screenings einer Vielzahl von Einflussfaktoren unterliegen wie Medikation, Serumkalium, Salzkonsum, Nierenfunktion. Vor dem Hintergrund dieser Variablen sollte in unklaren Fällen eine Wiederholung der ARR-Bestimmung nach Optimierung der Einflussgrößen erfolgen (Martin Fassnacht, Würzburg).
Achalasie: POEM ist gleichwertig
Die Achalasie ist eine Motilitätsstörung, die durch eine fehlende Erschlaffung des unteren Ösophagussphincters beim Schluckakt gekennzeichnet ist. Bei betroffenen Patienten sind Ganglienzellen und der Plexus myentericus degenerativ verändert. Eine Ursache ist nicht bekannt.
Die Patienten klagen über eine Dysphagie und Erbrechen von nicht-verdauter Nahrung. Therapeutisch stehen drei interventionelle Verfahren zur Verfügung: die pneumatische Dilatation, die laparoskopische Heller-Myotomie und die periorale endoskopische Myotomie (POEM).
Ein Vergleich der laparoskopischen mit der perioralen endoskopischen Myotomie ergab auch nach fünf Jahren ein gleichwertiges Ergebnis bzgl. der Symptomkontrolle. POEM hat sich als Alternative zur Heller-Myotomie etabliert (Angelika Behrens, Berlin).
Erkennen des kritisch kranken Kindes
Für die schnelle Einschätzung von Kindern in Notfallsituationen empfiehlt sich das Blickdiagnosedreieck. Dieses wird bewusst ohne Messgeräte und ohne körperliche Untersuchung durchgeführt und soll in der Regel innerhalb von weniger als einer Minute ein klares Bild liefern: Ist das Kind stabil oder kritisch krank? Welche physiologische Hauptstörung ist wahrscheinlich? Das Dreieck besteht aus drei Beobachtungsdomänen, den drei “Armen” des Dreiecks: Erscheinungsbild, Atemarbeit und Hautdurchblutung.
Auffälligkeiten in einem oder mehreren Armen weisen auf respiratorische Probleme, Schock bzw. Perfusionsstörungen oder eine neurologisch-metabolische Beeinträchtigung hin.
Das Blickdiagnosedreieck ist kein Diagnoseinstrument für konkrete Krankheitsbilder, sondern dient der Triage. Es ermöglicht innerhalb kürzester Zeit eine strukturierte klinische Gesamteinschätzung. In Studien zeigte diese Methode eine sehr hohe Spezifität zur Identifikation kritisch kranker Kinder (Florian Hoffmann, München).
Ist eine Vorsorge-Gastroskopie sinnvoll?
Die Einführung der Vorsorge-Koloskopie war ein großer Erfolg. Sie hat zu einer Abnahme der Kolonkarzinominzidenz und zu einer Verbesserung der Prognose dieses Tumors geführt. Könnte dies auch beim Magenkarzinom der Fall sein, wenn man eine Vorsorge-Gastroskopie anbieten würde?
