Hiermit loggen Sie sich bei DocCheck aus.
Abbrechen

Serie "Krankheiten unter dem Radar"Ist sein Testosteron zu niedrig?

Im Bett läuft nichts mehr und außerdem fühlt er sich schlapp und weniger leistungsfähig als früher. Ist das normal bei älteren Männern oder steckt ein Androgendefizit mit Krankheitswert dahinter?

Dass ältere Männer über nachlassende Leistungsfähigkeit klagen, ist keine Seltenheit.

Der Patient in diesem Fallbeispiel hatte die klassischen Symptome eines Testosteronmangels, auch wenn er ansonsten fit und gesund wirkte. Dass ältere Männer über nachlassende Leistungsfähigkeit klagen, ist keine Seltenheit. Wechseljahre mit raschen und starken Hormonveränderungen wie sie bei Frauen vorkommen, gibt es bei Männern jedoch nicht. Vielmehr nimmt die Testosteronproduktion mit zunehmendem Alter langsam ab.

Die European Male Aging Study (EMAS) ergab, dass der Gesamt-Testosteron-spiegel bei Männern etwa ab dem 40. Lebensjahr um 0,4 Prozent pro Jahr und das freie Testosteron um 1,3 Prozent pro Jahr sinkt. Ein echter Testosteronmangel resultiert daraus jedoch nur selten. Dennoch leiden manche Männer an Symptomen eines Testosteronmangels wie nachlassender Libido, Erektionsstörungen oder auch an Erschöpfung, geringerer Belastbarkeit oder Schlafstörungen.

Testosteronmangel bei jedem zweiten Diabetiker

Die Symptome sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Wann ist eine Untersuchung des Testosteronspiegels sinnvoll? “Auch bei Symptomen wie Müdigkeit und Antriebslosigkeit kann es sich lohnen, den Testosteronspiegel zu überprüfen, vor allem wenn diese im Zusammenhang mit Übergewicht und Diabetes auftreten. Denn im Alter wird ein Testosteronmangel häufig auch durch Komorbiditäten getriggert”, erklärte Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Direktorin der Klinik für Andrologie, Universitätsklinikum Münster.

Wir wissen, dass rund 50 Prozent der Diabetiker im Lauf ihrer Erkrankung auch einen Testosteronmangel entwickeln”, so Kliesch. “Das muss nicht immer in einem Bereich sein, der Symptome hervorruft. Aber wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass es bei einem Testosteronmangel schwieriger ist, den Blutzucker gut einzustellen.”

Allerdings muss das Testosteron nicht bei jedem älteren Diabetiker getestet werden. In den Leitlinien der European Association of Urology (EAU) wird empfohlen, z.B. bei Patienten mit Diabetes, metabolischem Syndrom oder erheblicher Adipositas an Testosteron zu denken, wenn Symptome auffallen, die mit einem Testosteronmangel in Zusammenhang stehen könnten.

Laborwert richtig einordnen

Diagnostiziert werden kann ein Hypogonadismus durch den Nachweis eines zu niedrigen Gesamt-Testosteronspiegels im Serum in mindestens zwei morgendlichen Nüchternmessungen und gleichzeitigem Auftreten von Symptomen, die mit einem Hypogonadismus vereinbar sind. “Wichtig ist allerdings, den Laborwert richtig einzuordnen”, so Kliesch und erklärte, dass einige Labore extrem niedrige Referenzwerte (z.B. 2 ng/dl bzw. ab 8 nmol/l) für normales Testosteron angeben.

Als therapiebedürftig gilt ein zweimalig gemessener morgendlicher Gesamt-Testosteron-Spiegel < 12 nmol/l bei entsprechender Symptomatik. Werte zwischen 8 und 12 nmol/l liegen in einer Grauzone, in der die Bestimmung weiterer Laborwerte wie des freien Testosterons erforderlich sein können.

Gemäß europäischer Leitlinie sind Patienten mit symptomatischem Hypogonadismus und einem Gesamt-Testosteron-Spiegel < 12 nmol/l geeignete Kandidaten für eine Testosterontherapie, sofern keine Kontraindikationen bestehen.

Testosteronsubstitution ist keine Lifestyle-Therapie

Liegt ein symptomatischer Testosteronmangel vor, können die Patienten von einer Testosteronsubstitution mit Anhebung des Testosteronspiegels auf physiologische Werte profitieren. Bei nachgewiesenem Hypogonadismus kann die Substitution von Testosteron die Gesundheit und Lebensqualität des Patienten verbessern.

Er kann dadurch eine günstigere Ausgangssituation erreichen und oft besser abnehmen oder seinen Blutzucker unter Kontrolle bringen. “Man sollte eine Testosteronsubstitution nicht als Lifestyletherapie abtun. Ein Testosteronmangel ist eine Erkrankung wie jede andere auch und sollte behandelt werden”, so Kliesch.

Kontraindikationen ausschließen

Die Andrologin wies darauf hin, dass vor Therapiebeginn die Prostatagesundheit abgeklärt werden muss. Angst vor einer Ersatztherapie mit Testosteron müsse man aber nicht haben. Das Risiko für Prostatakrebs ist für Patienten unter einer Testosteronsubstitution genauso hoch wie für andere Männer.

Absolute Kontraindikationen für eine Testosteronsubstitution sind der fortgeschrittene oder bislang nicht behandelte Prostatakrebs, der männliche Brustkrebs, ein bestehender Kinderwunsch, ein Hämatokrit-Wert ≥ 54% sowie eine unbehandelte oder schlecht kontrollierte Herzinsuffizienz.

Auch ein gesunder Lebensstil hilft

Da ein funktioneller Hypogonadismus häufig mit Adipositas und Stoffwechselstörungen einhergeht, ist eine Änderung des Lebensstils mit einer Gewichtsabnahme, körperlicher Aktivität und gesunder Ernährung ebenfalls eine Option für die betroffenen Männer.

Es zeigte sich, dass die Testosteronproduktion dadurch positiv beeinflusst werden kann, wenn auch oftmals nur in geringem Maß. Aber bei positivem Ansprechen eröffnet dieses Vorgehen die Möglichkeit, im Verlauf durch einen Auslassversuch zu prüfen, ob die körpereigene Testosteronproduktion sich wieder verbessert hat.

Quellen:

1. Gespräch mit Prof. Dr. med. Sabine Kliesch, Direktorin der Klinik für Andrologie, Universitätsklinikum Münster

2. European Association of Urology, Guidelines on Sexual and Reproductive Health, März 2026

E-Mail-Adresse vergessen? Schreiben Sie uns.
Passwort vergessen? Sie können es zurücksetzen.
Nur wenn Sie sich sicher sind.

Sie haben noch kein Passwort?

Gleich registrieren ...

Für Hausärztinnen und Hausärzte, Praxismitarbeitende und ÄiW (Allgemeinmedizin und Innere Medizin mit hausärztlichem Schwerpunkt) ist der Zugang immer kostenfrei.

Mitglieder der Landesverbände im Hausärztinnen- und Hausärzteverband profitieren außerdem von zahlreichen Extras.

Hier erfolgt die Registrierung für das Portal und den Newsletter.


Persönliche Daten

Ihr Beruf

Legitimation

Die Registrierung steht exklusiv ausgewählten Fachkreisen zur Verfügung. Damit Ihr Zugang freigeschaltet werden kann, bitten wir Sie, sich entweder mittels Ihrer EFN zu legitimieren oder einen geeigneten Berufsnachweis hochzuladen.

Einen Berufsnachweis benötigen wir zur Prüfung, wenn Sie sich nicht mittels EFN autorisieren können oder wollen.
(max. 5 Dateien; PDF, JPG, PNG oder TIF)

Mitglied im Hausärzteverband
Mitglieder erhalten Zugriff auf weitere Inhalte und Tools.
Mit der Registrierung als Mitglied im Hausärzteverband stimmen Sie zu, dass wir Ihre Mitgliedschaft überprüfen.

Newsletter
Sie stimmen zu, dass wir Ihre E-Mail-Adresse für diesen Zweck an unseren Dienstleister Mailjet übermitteln dürfen. Den Newsletter können Sie jederzeit wieder abbestellen.

Das Kleingedruckte
Die Zustimmung ist notwendig. Sie können Sie jederzeit widerrufen, außerdem steht Ihnen das Recht zu, dass wir alle Ihre Daten löschen. Jedoch erlischt dann Ihr Zugang.
Newsletter abbestellen

Wenn Sie den Newsletter abbestellen wollen, geben Sie bitte Ihre E-Mail-Adresse an und wählen Sie die gewünschte Funktion. Wir senden Ihnen dann eine E-Mail zur Bestätigung.