Berlin. Die ambulante Anstellung ist für viele Ärztinnen und Ärzte kein Gegenmodell zur eigenen Praxis. Vielmehr kann sie eine Zwischenstation auf dem Weg in die Niederlassung sein. Das zeigt eine bundesweite Befragung des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), deren Ergebnisse am Dienstag (22. September) veröffentlicht wurden.
Das Zi hatte zwischen Ende Januar und Ende April 2025 mehr als 3.200 ambulant angestellte Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zu ihrer aktuellen Tätigkeit und ihren beruflichen Zukunftsplänen befragt. Insgesamt gaben 14,8 Prozent an, sich später niederlassen zu wollen, weitere 21,8 Prozent waren zum Befragungszeitpunkt noch unentschlossen.
Übertragen auf die rund 55.000 ambulant Angestellten ergibt das rechnerisch etwa 8.000 Personen mit konkreter Niederlassungsabsicht und weitere 12.000, die eine Niederlassung nicht ausschließen.
Kein “Entweder-oder”
Besonders ausgeprägt ist das Potenzial bei den Jüngeren. Von den unter 35-Jährigen planen 39,8 Prozent eine spätere Niederlassung, weitere 45,4 Prozent sind noch unentschlossen. Bei den 35- bis 39-Jährigen bejaht knapp ein Drittel (31,5 Prozent) die Frage nach einer späteren eigenen Praxis.
Noch deutlicher wird die Bedeutung der Anstellung als mögliche Vorstufe zur Niederlassung bei der Selbsteinschätzung der Befragten: 14,4 Prozent verstehen ihre aktuelle Anstellung ausdrücklich als Übergang in die Niederlassung, 15,8 Prozent als Phase beruflicher Orientierung. Wer seine Anstellung als Übergang zur eigenen Praxis bezeichnet, hat besonders häufig konkrete Pläne: 73,4 Prozent wollen sich später niederlassen, weitere 25 Prozent sind noch unentschlossen.
„Die Debatte über Anstellung und Niederlassung wird häufig als Entweder-oder geführt. Unsere Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild“, sagte Zi-Vorstandsvorsitzender Dr. Dominik von Stillfried. Für viele sei die ambulante Anstellung ein wichtiger Teil des Weges in die eigene Praxis.
Gefühlt große Hürden
Die größten Hürden auf dem Weg in die eigene Praxis sehen die Befragten außerhalb der medizinischen Tätigkeit: Besonders häufig genannt wurden laut Zi “administrativer Aufwand, zeitliche Planung und Organisation, fehlendes betriebswirtschaftliches Vorwissen, Finanzierung, Zulassungsverfahren und die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben”.
„Wer sich eine Niederlassung grundsätzlich vorstellen kann, scheitert oft nicht an der Versorgungsidee, sondern an der Sorge vor Bürokratie, wirtschaftlichen Risiken und organisatorischer Überforderung“, so von Stillfried. Gerade Unentschlossene bräuchten deshalb frühzeitige, niedrigschwellige und sehr konkrete Unterstützung.
Wichtig: Das Zi weist darauf hin, dass die Befragung vor dem scharf kritisierten GKV-Spargesetz durchgeführt worden ist. Die darin beschlossenen Schritte könnten die Niederlassungsbereitschaft negativ beeinflussen.
Die Ergebnisse sind Teil der Zi-Studie zur ärztlichen und psychotherapeutischen Karrierewahl und Existenzgründung (KWEX). Sie ergänzen eine 2024 ausgewertete Befragung von Neu-Niedergelassenen.
